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Dragon Professional oder Dragon Legal? Was Rechtsanwälte, Notare und Steuerberater wirklich brauchen

Dragon Vergleich Kanzlei - Dragon Professional oder Dragon Legal? Was Rechtsanwälte, Notare und Steuerberater wirklich brauchen.

Stellen Sie sich vor, Sie diktieren einen Schriftsatz. Der Satz lautet: „Gemäß § 182 Abs. 1 BGB ist die Wirksamkeit des Vertrags von der Zustimmung des Dritten abhängig.“ Sie sprechen diesen Satz in Ihr Mikrofon, lehnen sich zurück und erwarten eine saubere Transkription. Stattdessen erscheint auf dem Bildschirm: „Gemäß Paragraf 182 Absatz eins BGB…“

Das Resultat: Kein Sonderzeichen. Keine korrekte Abkürzung. Kein §.

Das Ergebnis ist nicht falsch im Sinne des Sprachverständnisses, aber es entspricht nicht dem juristischen Schriftbild. Die Korrektur dauert nur Sekunden, denkt man zunächst. Doch wer täglich Dutzende solcher Sätze diktiert, weiß, wie sich diese Sekunden summieren. Und genau das bringt uns zur Frage: Was ist besser – Dragon Professional oder Dragon Legal? Das Ergebnis erhalten Sie in unserem Vergleich.


Dragon-Editionen

Von der Nuance Dragon Spracherkennungssoftware gibt es verschiedene Ausführungen:

  • Dragon Professional Spracherkennungssoftware mit allgemeinem Wortschatz: Sie haben die Wahl zwischen der lokalen Dragon Professional 16 und der Cloud-basierten Lösung Dragon Professional Anywhere (DPA). Wir sprechen im Folgenden von „Dragon Professional“ unabhängig davon, ob lokal oder Cloud, da es in diesem Artikel nur um das Vokabular geht.
  • Dragon Legal Spracherkennungssoftware mit juristischem Wortschatz: Sie haben die Wahl zwischen der lokal installierten Dragon Legal 16 und der Cloud-basierten Lösung Dragon Legal Anywhere (DLA). Wir sprechen im Folgenden von „Dragon Legal“ unabhängig davon, ob lokal oder Cloud, da es in diesem Artikel nur um das Vokabular geht.
  • Dragon Medical One (DMO): Cloudbasierte Spracherkennungssoftware mit medizinischem Wortschatz. Diese ist nicht Gegenstand dieses Artikels.

Zu den verschiedenen Varianten siehe auch unseren Vergleich der Nuance Dragon Versionen.


Was unterscheidet Dragon Professional von Dragon Legal?

Beide Dragon-Editionen basieren auf derselben Deep-Learning-Spracherkennungstechnologie von Nuance. Die Erkennungsgenauigkeit auf Wortebene ist in beiden Versionen mit bis zu 99 % sehr hoch. Der entscheidende Unterschied liegt nicht im technischen Grundgerüst, sondern im Vokabular und in der speziellen Ausgabelogik.

Fachvokabular ab Werk

Dragon Legal wird mit einem allgemeinen und zusätzlich einem juristischen Fachvokabular ausgeliefert. Das bedeutet, dass Begriffe wie Schriftsatz, Berufungsschrift, Eidesstattliche Erklärung oder Revisionsverfahren sowie auch die meisten Gesetzesnamen von Anfang an korrekt erkannt und ausgegeben werden, ohne dass diese zunächst mühsam angelernt werden müssen.

Dragon Professional enthält dieses spezialisierte Vokabular „Recht“ nicht standardmäßig. Es ist für den allgemeinen professionellen Einsatz ausgelegt und deckt ein breites Spektrum an Branchen ab, ohne auf eine einzelne davon spezialisiert zu sein. Wer juristische Fachbegriffe häufig diktiert, muss das Vokabular entweder manuell erweitern oder damit leben, dass die Erkennungsrate in diesem Bereich zunächst hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Paragrafenangaben und juristische Formatierungen

Hier zeigt sich der praktisch spürbarste Unterschied. Dragon Legal erkennt die Ansage von Paragrafenangaben und gibt sie automatisch im korrekten juristischen Format aus. Aus „Paragraf 182 Absatz eins BGB“ wird „§ 182 Abs. 1 BGB“, so wie es in einem Schriftsatz stehen muss. Weitere Beispiele sind „§§“ für Paragrafen, „Rn.“ für „Randnummer“ und „S.“ für „Satz“ im Zusammenhang mit Zahlen. Ohne darauffolgende Zahlen werden auch diese Wörter richtig ausgeschrieben.

Dragon Professional kann das in dieser Form nicht leisten, weil die erforderlichen Worteigenschaften, also die Regel, vor einer Zahl aus dem gesprochenen Wort „Paragraf“ das Sonderzeichen § zu erzeugen, nicht hinterlegt sind. Es wäre theoretisch möglich, diese Regeln zu konfigurieren, aber das erfordert manuellen Aufwand und Kenntnisse der Dragon-Konfigurationsoptionen, die im Kanzleialltag in der Regel niemand leisten möchte.

Lernverhalten und Ausgangsposition

Beide Editionen lernen aus Korrekturen der Nutzer. Wer einen falsch erkannten Text mittels des Dragon-Korrekturmenüs verbessert oder i. V. m. der Findentity Backend-Spracherkennung korrigiert, optimiert damit das Sprachmodell für zukünftige Diktate. Der Unterschied liegt jedoch in der Ausgangsposition: Dragon Legal startet neben dem allgemeinen Wortschatz analog zu Dragon Professional auch mit einem für juristische Berufe deutlich relevanteren Grundwortschatz und liefert daher von Beginn an bessere Ergebnisse in diesem Umfeld. Dragon Professional muss diese Lernkurve erst durchlaufen.

Preis

Dragon Legal ist in der Anschaffung etwas teurer als Dragon Professional. Dragon Professional 16 kostet als Einzellizenz netto 839,00 €, Dragon Legal 16 netto 1.005,00 €, also 166,00 € mehr. Ob dieser Mehrpreis gerechtfertigt ist, hängt unmittelbar davon ab, wie intensiv juristische Fachsprache und Formatierungen im Alltag zum Einsatz kommen. Für jemanden, der überwiegend allgemeine Korrespondenz schreibt, ist Dragon Professional die wirtschaftlichere Wahl. Für jemanden, der regelmäßig Schriftsätze, Verträge und Gutachten diktiert, rechnet sich der geringe Aufpreis von Dragon Legal sehr schnell.


Praxisbeispiel: § 182 Abs. 1 BGB

Ein konkreter Vergleich macht den Unterschied zwischen Dragon Legal und Dragon Professional sichtbar. Der folgende Satz ist ein typisches Diktat aus einem anwaltlichen Schriftsatz:

Gesprochen: „Gemäß Paragraf einhundertzweiundachtzig Absatz eins BGB ist die Wirksamkeit des Vertrags von der Zustimmung des Dritten abhängig.“

Ausgabe Dragon Professional:

„Gemäß Paragraf 182 Absatz eins BGB ist die Wirksamkeit des Vertrags von der Zustimmung des Dritten abhängig.“

Ausgabe Dragon Legal:

„Gemäß § 182 Abs. 1 BGB ist die Wirksamkeit des Vertrags von der Zustimmung des Dritten abhängig.“

Das Ergebnis von Dragon Legal entspricht direkt dem juristischen Schriftbild. Das Ergebnis von Dragon Professional müsste noch nachbearbeitet werden, was bei einem einzelnen Satz vernachlässigbar ist, bei einem umfangreichen Schriftsatz mit zwanzig Paragrafenangaben jedoch echte Arbeitszeit kostet.

Was das in der Praxis bedeutet

Wer diesen Unterschied kennt, versteht auch, warum er schwerer wiegt als es auf den ersten Blick scheint. Juristische Dokumente folgen strikten Formatierungsvorgaben. Ein falsch gesetztes Zeichen oder eine ausgeschriebene Abkürzung, die abgekürzt gehört, ist keine Kleinigkeit, sondern ein Detail, das in der Nachbearbeitung gefunden und korrigiert werden muss. Dragon Legal reduziert diese Fehlerquelle von Anfang an und schafft so eine erhebliche Zeitersparnis.


Wann ist Dragon Professional ausreichend?

Es ist ganz klar: Dragon Professional ist keine schlechte Software, sondern ein sehr leistungsfähiges Werkzeug für den allgemeinen professionellen Einsatz. Es ist die richtige Wahl, wenn:

  • juristische Fachsprache nur gelegentlich vorkommt und kein regelmäßiger Bestandteil des Diktatalltags ist,
  • der Fokus der Diktate auf allgemeiner Geschäftskorrespondenz, internen Notizen oder nicht fachspezifischen Dokumenten liegt,
  • das Budget eine Rolle spielt und die Bereitschaft besteht, das Vokabular über Zeit manuell zu erweitern,
  • die Anforderungen an sofortige Erkennungsgenauigkeit bei Fachterminologie geringer sind.

In diesen Fällen bietet Dragon Professional ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis und ist eine solide Grundlage für effizientes Diktieren mit einer gut funktionierenden Spracherkennungssoftware.


Wann lohnt sich Dragon Legal?

Dragon Legal ist die bessere und durchdachtere Wahl, wenn juristische Fachsprache regelmäßig im Mittelpunkt des Diktierens steht. Konkret bedeutet das:

  • Sie diktieren regelmäßig Schriftsätze, Beschlüsse, Verträge, Gutachten oder andere rechtliche Dokumente mit Paragrafenangaben und Fachterminologie.
  • Erkennungsgenauigkeit ohne aufwendige Nachkorrektur hat für Sie hohe Priorität, weil Zeit im Kanzleialltag ein knappes Gut ist.
  • Sie arbeiten als Rechtsanwalt, Notar oder in einem vergleichbaren juristischen Berufsbild mit klar definiertem Fachvokabular.
  • Sie achten in Ihrer Kanzlei auf Fehlerquoten, weil fehlerhafte Dokumente nicht nur Nacharbeit bedeuten, sondern auch das Risiko tragen, übersehen zu werden.
  • Sie haben keine Zeit oder technisches Interesse, etwaige notwendige Anpassungen von Worteigenschaften juristischer Begriffe in Dragon Professional manuell vorzunehmen, sondern möchten von Anfang an optimal diktieren können.

Wer in diesen beruflichen Szenarien mit dem Standardvokabular von Dragon Professional arbeitet, zahlt die Differenz früher oder später in Form von Korrekturzeit und anzupassendem Vokabular zurück.


Lohnt sich Dragon Legal auch für Steuerberater und Notare?

Die Antwort ist eindeutig, ja. Der Name Dragon Legal deutet zwar auf Rechtsanwälte hin, doch der Anwendungsbereich ist wesentlich breiter. Auch Notare und Steuerberater arbeiten täglich mit einer hochspezialisierten Sprache, die Dragon Legal besser abdeckt als Dragon Professional.

Dragon Legal für Notare

Notarielle Urkunden folgen festen Formulierungen, Paragrafenangaben aus BGB, BNotO und anderen Rechtsquellen sind alltäglich. Dragon Legal erkennt diese Strukturen zuverlässig und spart die manuelle Nachkorrektur von Fachbegriffen und Abkürzungen, die in der allgemeinen Spracherkennung nicht hinterlegt sind.

Dragon Legal für Steuerberater

Steuerrechtliche Fachsprache, Verweise auf Paragrafenangaben aus EStG, AO oder UStG, Formulierungen aus Mandantenberichten und Prüfungsvermerken: Auch hier stößt Dragon Professional schnell an Grenzen, wo Dragon Legal mit relevantem Grundvokabular punktet.

Die Entscheidung für Dragon Legal ist damit keine rein juristische Frage, sondern eine Frage des Fachvokabulars. Wer regelmäßig spezialisierte Sprache diktiert, profitiert von einer Edition, die diese Sprache von Anfang an versteht.


Hat Dragon Legal auch ein allgemeines Vokabular?

In Dragon Professional haben Sie nur das Vokabular „Allgemein“ zur Auswahl. In Dragon Legal gibt es ebenfalls das Vokabular „Allgemein“, aber zusätzlich noch „Recht“. D. h. Sie können auch jederzeit das nichtjuristische Vokabular laden, sollten Sie in einem anderen Kontext diktieren.

Des Weiteren sind sowohl in Dragon Professional 16 als auch Dragon Legal 16 die jeweiligen allgemeinen bzw. Rechtsvokabulare für die Sprachen Deutsch und Englisch enthalten.


Kann man von Dragon Professional zu Dragon Legal upgraden?

Ja, wenn Sie eine Dragon Professional 15 oder 16 Lizenz besitzen, können Sie ein Upgrade zu Dragon Legal 16 erwerben. Sie bekommen eine neue Lizenz-Seriennummer. Sofern Sie bereits die aktuelle Dragon Professional 16.1 installiert haben, müssen Sie nur die neue Seriennummer eingeben und wechseln so ohne Neuinstallation direkt zur Legal-Edition.


Mehr aus Spracherkennung herausholen: Diktatmanagement für Kanzleien mit mehreren Anwälten

Dragon Legal löst das Problem der Erkennungsgenauigkeit. Es löst nicht die organisatorischen Anforderungen, die entstehen, wenn mehrere Diktatgeber in einer Kanzlei gleichzeitig arbeiten.

Wo Dragon an seine Grenzen stößt

Wer diktiert, muss das fertige Dokument irgendwo ablegen, einer Schreibkraft zuweisen, eine Akte verknüpfen und den Bearbeitungsstatus im Blick behalten. Dragon ist Spracherkennungssoftware, kein Diktatmanagementsystem. Diese Lücke macht sich spätestens dann bemerkbar, wenn drei Anwälte gleichzeitig diktieren und die Schreibkraft nicht sofort erkennt, welches Diktat welche Priorität hat, zu welcher Akte es gehört und wer für die Nachbearbeitung zuständig ist.

Findentity Dictate als logische Ergänzung

Genau hier setzt Findentity Dictate an. Die Software übernimmt das Diktatmanagement: Diktate werden automatisch dem richtigen Vorgang zugeordnet, Prioritäten lassen sich vergeben, Schreibkräfte oder Schreibpools werden zugewiesen, und der gesamte Workflow von der Aufnahme bis zum fertigen Dokument ist nachvollziehbar organisiert.

Die Kombination aus Dragon Legal und Findentity Dictate schließt damit beide Seiten des Diktatprozesses: Dragon Legal sorgt für präzise Transkription, Findentity Dictate sorgt dafür, dass diese Transkription im richtigen Kontext landet und die Abläufe in der Kanzlei geordnet bleiben.


Fazit: Die richtige Edition hängt vom Diktierinhalt ab

Dragon Professional und Dragon Legal sind beide ausgereifte Produkte. Der Unterschied liegt nicht in der Qualität der Spracherkennung im Allgemeinen, sondern in der Spezialisierung auf juristische und steuerrechtliche Fachsprache.

Wer allgemeine Korrespondenz diktiert und gelegentlich juristischen Inhalt hat, ist mit Dragon Professional gut bedient. Wer täglich Schriftsätze, notarielle Urkunden oder steuerrechtliche Gutachten diktiert und dabei Wert auf sofortige Erkennungsgenauigkeit ohne aufwendige Vokabulararbeit legt, fährt mit Dragon Legal langfristig besser.

Die Entscheidung lässt sich letztlich auf eine Frage reduzieren: Wie viel Ihrer Diktierzeit entfällt auf juristisch oder steuerrechtlich spezialisierte Sprache? Je höher dieser Anteil, desto klarer fällt die Antwort aus.

Sie sind unsicher, welche Dragon-Edition zu Ihrem Arbeitsalltag passt? Wir zeigen Ihnen den Unterschied anhand Ihrer eigenen Anwendungsszenarien in einer persönlichen Demo.

Autor: Thorsten Bartsch

Geschäftsführer der Thax Software GmbH und deren Leiter der Entwicklung. Hat die RFID-Technologie in die Praxis des Büroalltags eingeführt. Spracherkennung nutzt er jeden Tag selber und berät umfassend zu den technischen Raffinessen. Treibt die technologische Weiterentwicklung bei Thax Software voran.
Thorsten Bartsch - Geschäftsführer Thax Software

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